2018 DIE VIERTE GEWALT

Dokumentarfilm von Dieter Fahrer

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Synopsis

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«Ob sich die Medien im Umbruch oder in einem Todeskampf befinden, eine Antwort auf diese Frage lässt der so kluge wie unaufgeregte Dokumentarfilm bewusst offen, und Dieter Fahrers sparsam eingesetztes Voiceover leistet, was auch guter Journalismus neben der reinen Faktenvermittlung macht: Er ordnet ein, vermittelt Haltung und drängt sich dennoch nicht auf.»

Geri Krebs, immer noch Freelance-Journalist und –Filmkritiker

  

Anmerkungen des Autors

Im Altersheim verbringen meine betagten Eltern einen gemeinsamen Nachmittag. Mein Vater sieht nur noch verschwommen, doch er zeichnet und malt noch jeden Tag. Dazu liest meine Mutter aus der Tageszeitung DER BUND, die sie seit 60 Jahren abonniert haben.
Ich bin mit dem BUND aufgewachsen, Fernseher hatten wir keinen und das Radio lief nur selten. Die Zeitung jedoch, die war immer da, lange schon bevor ich lesen konnte. Sie gab mir die Sicherheit, dass das, was geschah, auch wirklich geschah, und was da geschrieben stand, das war die Wahrheit. Wie hätte es sonst auch gedruckt werden können? Später geriet dieser Glaube ins Wanken und alles wurde komplizierter...
Meine Schulzeit begann noch mit Schreibfeder und Tintenfässli, doch in weniger als 50 Jahren bin ich zum digitalen User avanciert. Informationen fluten auch mein Bewusstsein und schreiten mit mir fort. Das ist mein Fortschritt - selbst gewählt habe ich ihn nicht.
Noch riecht es nach Druckerschwärze und Güterwagen mit riesigen Papierrollen werden in den Zeitungs-Druckereien täglich entladen. Doch die gute alte Tageszeitung und der traditionelle Leser sind Auslaufmodelle, seit das Internet alle Lebensbereiche durchdringt: Es twittert und facebookt, es blogt, verlinkt, multimediat und leserreportert, dass einem lesen und sehen vergehen.
In diesem Film besuche ich meine Eltern, wo DER BUND noch immer zum Alltag gehört, als Fenster zur Welt, als Quelle von Wissen und als Wegweiser um sich in der immer komplexer werdenden Welt zu verorten.
Vom Altersheim aus führt mich die filmische Erkundung auf die BUND-Redaktion, wo man sich trotz wegbrechender Werbe-Einnahmen, sinkender Abozahlen und rigider Verlagspolitik dem Qualitätsjournalismus verpflichtet fühlt. Auch beim Info-Flaggschiff von Radio SRF, dem ECHO DER ZEIT, ziehen dunkle Wolken am Horizont auf, denn die No-Billag-Initiative will die SRG SSR vernichten. Optimistischer sieht man die Zukunft beim rein werbefinanzierten Online-Portal WATSON. Hier setzt man auf die jungen mobilen User. Doch selbsttragend ist auch das modische Portal noch immer nicht. Sollen wir auf die REPUBLIK hoffen? Das Medien-Start-up geht am 15. Januar 2018 online, ist werbefrei und hat sich die Rettung des Journalismus auf die Fahne geschrieben.
Auf der Entdeckungsreise zu den News-MacherInnen begleitet mich meine eigene Faszination für die Medien, denn als Filmemacher bin ja auch ich ein Medienschaffender. Ich staune über das Engagement der Journalistinnen und Journalisten, über ihre Leidenschaft für ihren Beruf - doch ich bin auch misstrauisch.
Und manchmal, wenn ich mich im Informationsbasar der postmodernen Beliebigkeit zu verlieren drohe, gehe ich zu meinen Eltern ins Altersheim, nehme meinen Computer mit, und zeige ihnen, was ich auf den verschiedenen Redaktionen erlebt habe. «Schon verrückt, was man heute alles kann», sagt meine Mutter und legt ihre faltigen Hände in den Schoss.


Dieter Fahrer, im Dezember 2017